Wenn Spiel als kindisch gilt
Neulich war ich draußen mit meinen beiden Collie-Ladys. Die zwei Wirbelwinde, die mir jeden Tag zeigen, wie leicht das Leben sein könnte, wenn man nicht dauernd versucht, etwas darzustellen.
Sie sind anderthalb, verspielt bis ins Mark, und sie tragen diese Selbstverständlichkeit in sich, die Erwachsenen eines Tages verloren geht.
Wir liefen den üblichen Weg entlang. Grau. Nass. Nichts Besonderes.
Bis eine der beiden plötzlich abbremste und mit diesem typischen Collie-Blick den Ast fixierte, als wäre er gerade wichtiger geworden als der ganze Weg.
Die andere schnappte ihn sich sofort und warf ihn in die Luft. Ein vollkommen alltäglicher Moment. Ein Mini-Chaos aus Fell, Atemwolken und albernem Stolz.
Und während sie spielten, blieb etwas in mir hängen.
Nicht der Ast.
Sondern diese Selbstverständlichkeit, mit der sie sich erlaubten, sich zu freuen.
Ohne Zweck.
Ohne Publikum.
Ohne Vernunft.
Ich stand da, einen Moment lang nur Beobachter, und merkte, wie fremd mir dieses Gefühl geworden ist.
Etwas tun, einfach weil es sich richtig anfühlt. Nicht, weil es sinnvoll, produktiv oder erklärbar ist.
Das war der Punkt, an dem es mich leise traf:
Ich habe das Spielerische nicht verlernt. Ich habe es mir nur abgewöhnt.
Wann genau haben wir aufgehört, uns selbst zu gehören?
Es gibt Momente, in denen ich merke, wie ernst mein Leben geworden ist. Nicht dramatisch. Eher wie ein Raum, in dem jemand das Licht gedimmt hat, ohne zu fragen.
Ich rede nicht vom Spielen im klassischen Sinn. Nicht von Brettspielen. Nicht von Sport.
Ich meine dieses andere Spiel. Das, das aus dir selbst kommt.
Unbeobachtet. Zwecklos. Frei.
Dieses kleine Zucken im Alltag. Dieses Funkeln, das nichts will und nichts beweisen muss.
Ich dachte immer, das können nur Kinder. Erwachsene verlieren das. Aber das stimmt nicht.
Wir verlieren es nicht, weil wir wachsen. Wir verlieren es, weil wir lernen, dass Erwartungen wichtiger sind als Wahrheit.
Es passiert leise.
Ohne Knall. Ohne großen Moment.
Nur dieser Satz, der eines Tages im Raum steht: „Reiß dich zusammen.“
Plötzlich gibt es einen richtigen Weg, zu sein. Und der spielerische gehört nicht dazu.
Spiel ist unberechenbar.
Spiel passt in keinen Plan.
Spiel stört das System.
Und in einer Welt, die dich funktional haben will, ist Zweckfreiheit ein Problem.
Warum genau dieser Teil so früh leiser wurde
Wenn dein Inneres nie ganz in den Takt der anderen gepasst hat.
Wenn du leiser warst, während andere lauter wurden.
Oder schneller gedacht hast, während sie noch nach Worten gesucht haben.
Wenn du tiefer gespürt hast, wo viele nur Oberfläche wahrnehmen.
Dann war Spiel für dich selten ein Ort, an dem du einfach sein konntest.
Und das gilt auch für die, deren Äußeres nie unkommentiert blieb.
Zu bunt.
Zu blass.
Zu kräftig.
Zu zart.
Zu sichtbar.
Zu unscheinbar.
Menschen haben dafür erstaunlich schnelle Urteile.
Manchmal nur ein Blick, eine Bemerkung, ein Zucken.
Aber genug, um zu verstehen: Hier falle ich früher auf als andere.
Spiel macht sichtbar.
Es zeigt, wie du dich bewegst, wie du denkst, wie du fühlst. Und genau deshalb wurde es oft beobachtet.
Ausgerechnet dieser freie Teil von dir. Gesehen, kommentiert, zurechtgerückt.
Also hast du ihn eingepackt.
Nicht aus Scham.
Sondern aus Vorsicht.
Aus dem Bedürfnis, nicht noch ein weiteres offenes Feld zu bieten.
Und so ging das Spielerische als Erstes.
Weil es der Teil war, an dem man dein Anderssein am klarsten sehen konnte.
Und heute fehlt es
Nicht der Spaß. Nicht die Unterhaltung.
Es fehlt das Spielerische.
Dieses kleine Stück Freiheit, das nichts erklären muss.
Der Moment, in dem du nicht funktionieren musst und trotzdem ganz bei dir bist.
Viele stopfen genau dieses Loch mit allem Möglichen:
Arbeit.
Scrolling.
Routine.
Aber nichts davon ersetzt das Gefühl, kurz zweckfrei zu sein. Kurz echt.
Warum wir Spiel wieder brauchen
Nicht um kindlich zu wirken. Nicht um etwas Unbekanntes zu reparieren.
Nicht als Selbstoptimierung.
Spiel ist eine Haltung. Ein leiser Widerstand gegen den Satz: „So macht man das.“
Ein kurzer Aufstand im Inneren. Ein Moment, in dem du wieder du bist und nicht die Rolle, die du trägst.
Spiel sagt: „Ich darf.“
Auch ohne Nutzen.
Auch ohne Zweck.
Auch ohne Publikum.
Wie ich zurückgefunden habe
Nach dem Ast-Moment mit den Hunden habe ich angefangen, solche Mikro-Momente zu bemerken.
Ein seltsames Wort, das plötzlich in den Kopf springt. Eine Farbe, die auffällt. Ein kleiner Rhythmus, der nirgendwo hingehört.
Ein Gedanke, der sich weigert, brav zu sein.
Zweckfrei.
Unauffällig.
Nur für mich.
Je kleiner es wurde, desto echter wurde es.
Weil niemand es bewertet hat. Weil niemand es kommentieren konnte.
Weil ich gemerkt habe: Ich bin da.
Unter all dem Ernsthaften.
Was Spiel heute kann
Es macht nichts leichter. Aber es macht etwas freier.
Es gibt einen Moment, in dem du sein darfst, ohne zu liefern.
Einen Moment, der nicht glänzen muss.
Einen Moment, der niemandem gehört außer dir.
Spiel ist ein stiller Raum.
Ein Rückweg zu dir.
Ein Ort, an dem dein Innen nicht strammstehen muss.
Manchmal sagt Spiel etwas, das Worte kaum schaffen:
„Mit dir ist nichts falsch.“
„Da ist nur etwas, das wieder atmen will.“
Wenn du das vertiefen willst
Für diese Rückkehr braucht es manchmal mehr als einen Artikel.
Deshalb habe ich einen stillen Begleiter geschrieben:
Die Kraft des Spieles
Die Kraft des Spieles.
Ein kleines PDF für 3,90.
Kein Druck. Keine To-dos. Kein Lärm.
Nur ein leiser Raum, der dir zeigt, wie du Spiel wieder in dein Leben holst.
Auf deine Weise
Bleib bei dir
Davis