Was mir die Wildnis über das Anderssein beigebracht hat
Was Wildnispädagogik wirklich ist
Ich sitze am Rand eines Waldes. Es ist still. Nicht die dröhnende Stille eines leeren Raums, sondern die lebendige Stille eines Ortes, der atmet.
Ein Vogel ruft. Blätter rascheln. Irgendwo knackt ein Ast.
Und zum ersten Mal seit Tagen merke ich: Mein Körper entspannt. Meine Schultern sinken. Mein Atem wird tiefer.
Hier muss ich nichts sein. Hier muss ich nichts beweisen. Hier bin ich einfach richtig.
Das ist Wildnispädagogik. Nicht als Methode. Sondern als Erfahrung.
Was Wildnispädagogik wirklich ist
Wildnispädagogik ist keine Survival-Technik. Es geht nicht ums Feuermachen oder Spurenlesen (auch wenn das dazugehört).
Es geht um etwas viel Grundlegenderes:
Um das Wiedererkennen. Um das Ankommen bei sich selbst. Um das Verstehen, dass wir Teil von etwas Größerem sind – und dass dieses Größere uns nicht fragt, ob wir „richtig funktionieren”.
In der Wildnis gibt es keine Norm. Keinen Leistungsdruck. Keine Erwartung, dass du so sein musst wie alle anderen.
Ein Baum wächst schief, wenn der Boden schräg ist. Ein Fluss sucht sich seinen Weg, auch wenn der nicht gerade ist. Ein Vogel singt, wie er singt – nicht, wie andere ihn hören wollen.
Die Wildnis zeigt uns: Anders sein ist nicht falsch. Anders sein ist Leben.
Warum das im Coaching so kraftvoll ist
Jahrelang habe ich versucht, mich zurechtzubiegen. In Meetings zu glänzen, obwohl mich zu viele Menschen erschöpfen. Unter Leute zu gehen, obwohl ich Stille brauche. Normal zu wirken, obwohl ich anders verdrahtet bin.
Bis ich verstand: Ich kann mich nicht umprogrammieren. Aber ich kann lernen, mich selbst zu verstehen.
Und genau das macht Wildnispädagogik in meiner Arbeit möglich.
Wenn wir rausgehen, passiert etwas. Der Wald fragt nicht, ob du introvertiert bist. Der Berg bewertet nicht, ob du hochsensibel bist. Die Natur nimmt dich, wie du bist.
Und in diesem Moment entsteht Raum.
Raum zum Atmen.
Raum zum Fühlen.
Raum zum Erkennen: So wie ich bin, ist okay.
Das ist keine Therapie. Das ist Erlaubnis.
Was das mit dir zu tun hat
Vielleicht hast du dein Leben lang gehört:
„Du musst dich mehr öffnen.“
„Du musst belastbarer werden.“
„Du musst dich anpassen.“
Und vielleicht hast du das versucht. Immer wieder. Bis du erschöpft warst.
Was, wenn das Problem nicht du bist, sondern der Rahmen, in den man dich pressen wollte?
Was, wenn du nicht repariert werden musst, sondern nur einen Ort brauchst, an dem du sein darfst?
Die Wildnis ist dieser Ort. Nicht als Flucht. Sondern als Anker.
Sie zeigt dir, dass anders richtig ist. Das Stille Kraft hat. Das Rückzug keine Schwäche ist.
Und wenn du das einmal gespürt hast – draußen, im Wald, am Fluss, unter offenem Himmel – dann trägst du das in dir. Auch zurück im Café. Auch zurück im Alltag. Auch zurück in deinem Leben.
Du warst nie falsch gebaut
Du hast nur nie den richtigen Maßstab bekommen.
Die Wildnis gibt dir diesen Maßstab zurück. Sie erinnert dich daran, wer du wirklich bist.
Jenseits von Erwartungen.
Jenseits von Normen.
Jenseits von „Du solltest“.
Das ist Wildnispädagogik im Coaching: kein Werkzeug, das dich formt. Sondern ein Raum, der dich sein lässt.
Und manchmal ist das alles, was es braucht.
Wenn dich das berührt: Bleib dran. Hier geht es weiter.
Bleib bei dir.
Davis