Was Logotherapie wirklich ist

Was Logotherapie wirklich ist

In einer Gesellschaft, die Glück als Zielzustand definiert, wird jede Frage danach, ob das oder jedes genug ist, schnell zum Problem erklärt.

Nicht dankbar genug.
Nicht positiv genug.
Falsches Mindset.

Aber was, wenn die Frage gar nicht das Problem ist?

Was, wenn sie der Anfang ist?

Der Glücksmaßstab

Unsere Gesellschaft hat einen klaren Maßstab: Glück ist das Ziel.

Erfolg ist messbar.
Zufriedenheit ist planbar.
Optimierung ist die Lösung.

Wer langsam arbeitet, soll effizienter werden.
Wer sich zurückzieht, soll geselliger werden.
Wer zweifelt, soll optimistischer werden.

Der Maßstab lautet: Funktionieren ist genug.

Und wenn es nicht reicht, brauchst du mehr Selbstoptimierung.
Mehr Achtsamkeit.
Mehr Dankbarkeit.
Mehr positive Einstellung.

Das ist die Lüge.

Die Lüge, dass Glück das Ziel ist.
Die Lüge, dass du nur die richtige Einstellung brauchst.
Die Lüge, dass Sinn durch Anpassung entsteht.

Wer profitiert

Die Optimierungskultur lebt davon, dass du glaubst, Glück sei planbar.

Sie verkauft dir:

  • Achtsamkeits-Apps
  • Glückstagebücher
  • Positivity-Coaching
  • "Dein bestes Leben"-Programme

Immer die gleiche Botschaft: Du bist noch nicht glücklich genug.

Und wenn du es nicht bist, liegt das an dir.

An deinem Mindset.
An deiner Einstellung.
An deiner Dankbarkeit.

Das ist Ablenkung.

Ablenkung von der eigentlichen Frage:

Was, wenn Glück gar nicht das Ziel ist?

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Die andere Frage

Viktor Frankl entwickelte die Logotherapie unter Bedingungen, in denen alle äußeren Maßstäbe zerbrachen.

Konzentrationslager. Orte, an denen Glück keine Kategorie mehr war.

Was er dort erkannte: Der Mensch sucht nicht nach Glück. Er sucht nach einem Grund zu leben.

Nicht nach Optimierung.
Nach Bedeutung.

Das sprengt den gesellschaftlichen Rahmen.

Denn wenn Sinn nicht durch Anpassung entsteht, sondern durch Verantwortung,
dann ist Anderssein kein Problem mehr.

Dann ist die Frage nicht: "Was stimmt nicht mit dir?"
Sondern: "Wofür könnte genau das, was du bist, notwendig sein?"

Wofür, nicht wozu

Der Unterschied zwischen "wozu" und "wofür" ist klein.

Aber entscheidend.

"Wozu" fragt nach Zweck. Nach Funktion. Nach Optimierung.

Wozu arbeitest du?
Wozu brauchst du das?
Wozu bist du hier?

"Wofür" fragt nach Bedeutung. Nach Verantwortung. Nach Ausrichtung.

Wofür arbeitest du?
Wofür ist das wichtig?
Wofür bist du hier?

In einer Gesellschaft, die Menschen zu Funktionen macht, ist das radikal.

Wer langsam arbeitet, wird nicht gefragt: "Wofür könnte dein Tempo wichtig sein?"
Sondern: "Wie wirst du schneller?"

Wer wenig soziale Bedürfnisse hat, wird nicht gefragt: "Wofür könnte diese Klarheit notwendig sein?"
Sondern: "Wie wirst du zugänglicher?"

Wer in Phasen arbeitet, wird nicht gefragt: "Wofür könnten diese Zyklen sinnvoll sein?"
Sondern: "Wie wirst du konstanter?"

Der Maßstab korrigiert. Er fragt nicht.

Logotherapie fragt.

Der Wald sucht nicht nach Glück

Ein Baum wächst.
Er optimiert sich nicht. Er passt sich nicht einer Norm an. Er sucht nicht nach Glück.

Er wächst, weil er wächst.

Manche Bäume stehen in der Sonne. Manche im Schatten.
Manche wachsen schnell. Manche langsam.
Manche stehen allein. Manche in Gruppen.

Keiner wird gefragt: Bist du glücklich?

Die Natur kennt keine Glücksindustrie.
Sie kennt nur: Leben. Wachsen. Sein.

Die Optimierungskultur kennt das nicht.

Sie kennt nur: Mehr. Besser. Glücklicher.

Immer fehlt etwas.
Immer bist du noch nicht genug.

Anderssein im Glücksmaßstab

In einer Welt, die Tempo belohnt, wird Langsamkeit als Ineffizienz gelesen.
In einer Welt, die Geselligkeit erwartet, wird Alleinsein als Defizit markiert.
In einer Welt, die Konstanz fordert, werden Schwankungen als Schwäche gedeutet.

Anderssein wird pathologisiert.

Nicht laut. Nicht direkt. Aber konsequent.

Der Glücksmaßstab sagt: Wenn du nicht ins Raster passt, musst du dich ändern.

Anpassungsfähiger werden.
Belastbarer.
Motivierter.
Glücklicher.

Logotherapie sagt etwas anderes.

Sie sagt: Vielleicht ist das, was dich anders macht, genau das, was gebraucht wird.

Nicht für dein Glück.

Für deine Verantwortung.

Was das mit Anders richtig zu tun hat

"Anders richtig" ist keine Identität. Keine Community. Kein Label.

Es ist eine Feststellung.

Dass Anderssein nicht erklärt werden muss.
Dass der Maßstab zu eng ist.
Dass das Problem nicht im Menschen liegt.

Logotherapie macht genau das möglich:

Sie verschiebt den Fokus vom "Was stimmt nicht mit dir?" zum "Wofür bist du hier?"

Sie nimmt Anderssein nicht als Problem, das gelöst werden muss.
Sie nimmt es als Kontext, aus dem Sinn entstehen kann.

Das ist kein Optimierungsversprechen. Das ist Orientierung.

Nicht: "Werde glücklicher."

Sondern: "Wofür bist du hier?"

Die Frage, die bleibt

Vielleicht war nie etwas falsch mit dir.

Vielleicht hattest du nur nie die Frage gestellt, die wirklich zählt.

Nicht: "Was will ich vom Leben?"
Sondern: "Was will das Leben von mir?"

Logotherapie gibt keine Antworten.

Sie gibt die Frage zurück.

Und manchmal ist das alles, was es braucht.

Klarheit statt Glück

Der Maßstab sagt: Sei glücklich.
Logotherapie sagt: Sei verantwortlich.

Das ist der Unterschied.

Glück ist eine Emotion.
Sinn ist eine Ausrichtung.

Glück kommt und geht.
Sinn bleibt.

Die Optimierungskultur verkauft Glück.

Logotherapie zeigt: Es gibt eine andere Frage.
Eine Frage, die nicht nach Anpassung fragt.

Sondern nach Bedeutung.

Das Problem bist nicht du.
Das Problem ist ein Maßstab, der Glück über Sinn stellt.
Und eine Industrie, die daran verdient.

Anders richtig. Punkt.


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