Wo Überleben mit Leben verwechselt wird

Wo Überleben mit Leben verwechselt wird
Titelbild - Gefüttert, aber nie genährt

Du bist über 40. Vielleicht Mitte 50, vielleicht aber auch schon ganz nah an der 60. Du hast gearbeitet. Jahrzehntelang. Du hast Rechnungen bezahlt. Du hast deine Aufgaben erfüllt. Du hast gemacht, was nötig war.

Die Arbeit hat dich ernährt. Sie hat dir ein Leben ermöglicht. Ein Dach über dem Kopf. Essen auf dem Tisch. Sicherheit.

Aber dann merkst du plötzlich:
Sie hat dich nie genährt.

Sie hat nie etwas in dir gefüllt.
Sie hat nie etwas in dir lebendig gemacht.
Sie war nie etwas, das du wirklich wolltest.
Sie war nur etwas, das du tun musstest.

Und jetzt siehst du es. Klar. Unausweichlich.

Der Unterschied

Ernähren bedeutet: überleben. Genug haben. Funktionieren können.

Nähren bedeutet: lebendig sein. Erfüllt sein. Wachsen.

Die meiste Zeit deines Lebens hast du überlebt.
Du hast funktioniert. Du warst gut darin.
Du hast gelernt, was nötig war.
Du hast es durchgezogen.

Aber du warst nicht lebendig.
Nicht wirklich. Nicht in dem Teil, der zählt.

Und jetzt stehst du da und siehst zurück auf Jahrzehnte. Jahrzehnte, in denen du getan hast, was sein musste. Aber nicht, was dich erfüllt hätte.

Was das auslöst

Wut vielleicht. Auf die Umstände. Auf die Notwendigkeiten.
Auf die Entscheidungen, die du getroffen hast, weil es keine anderen zu geben schien.

Trauer. Um die Zeit. Um die Möglichkeiten. Um das Leben, das du nicht gelebt hast.

Schuld. Weil du denkst, du hättest es früher sehen müssen.
Weil du denkst, andere hätten es geschafft.
Weil du denkst, es war deine Verantwortung, etwas anderes daraus zu machen.

Und eine Frage, die schwer wiegt: Was jetzt?

Die Realität

Mit über 50 ist die Zeit nicht unbegrenzt. Die Jahre bis zur Rente sind absehbar. Die Energie ist nicht mehr die gleiche. Die Möglichkeiten sind enger als mit 30.

Das ist keine Schwarzmalerei. Das ist Realität.

Du kannst jetzt noch etwas ändern. Aber nicht alles. Du kannst noch etwas finden, das dich nährt. Aber die Jahrzehnte, die waren, kommen nicht zurück.

Das ist die unbequeme Wahrheit, die niemand gerne sagt. Weil sie wehtut. Weil sie endgültig klingt.

Aber Ehrlichkeit ist wichtiger als Trost.

Was niemand sagt

Dass es okay ist, zu trauern. Um die verlorene Zeit. Um das Leben, das hätte sein können.

Dass du nicht allein bist damit. Das viele Menschen erst spät merken, dass sie nur überlebt haben, statt zu leben.

Dass diese Erkenntnis, so schmerzhaft sie ist, auch etwas anderes bedeutet:
Du siehst es jetzt. Du siehst den Unterschied. Du weißt jetzt, was fehlt.

Das ändert nicht die Vergangenheit. Aber es verändert, wie du die Zeit nutzen kannst, die bleibt.

Was bleibt

Die Zeit ist begrenzt. Aber sie ist nicht vorbei.

Du kannst nicht zurück. Du kannst die Jahrzehnte nicht nachholen. Du kannst nicht ungeschehen machen, was war.

Aber du kannst entscheiden, was du mit dem Rest machst. Du kannst nach etwas suchen, das dich nährt. Klein vielleicht. Bescheiden. Aber echt.

Das ist kein Happy End. Das ist keine Erlösung. Das ist nur eine Möglichkeit.

Du hast überlebt. Jahrzehntelang.

Vielleicht ist jetzt der Moment, um zu leben. Mit dem, was bleibt.

Nicht perfekt. Nicht vollständig. Nicht wie es hätte sein können.

Aber echt.


Bleib bei dir

Davis


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Kein Lärm. Kein Druck. Nur Orientierung und ehrliche Unterstützung.

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