Ich dachte lange, mit mir stimme etwas nicht

Ich dachte lange, mit mir stimme etwas nicht
Titelbild - Nicht gebaut für Lärm

Ich sitze in einem Café.
Der Raum ist warm, Stimmen mischen sich, Stühle scharren über den Boden.
Jemand lacht laut.
Ein anderer spricht mit Händen, die wie Flügel durch die Luft schneiden.

Und ich merke, wie mein Körper langsam zumacht.
Nicht aus Schüchternheit.
Nicht aus Unfreundlichkeit.
Sondern, weil mein Nervensystem hier gerade auf Vollgas läuft.

Früher dachte ich, das wäre ein Problem.
Ein Mangel.
Ein Defekt.
Etwas, das ich „wegtrainieren“ muss, damit ich dazugehöre.

Also habe ich gelernt, mitzulächeln, mitzuhalten, mitzuspielen.
Ich habe mich gerade gemacht, laut gemacht, stark gemacht.
Ich habe versucht, normal zu sein.
Und nicht aufzufallen.

Aber irgendwann habe ich verstanden:

Ich war nie „zu sensibel“.
Ich war nie „kompliziert“.
Ich war nie „nicht belastbar“.

Ich bin schlicht anders verdrahtet.
Mit einem Nervensystem, das mehr wahrnimmt.
Mit einem Inneren, das tiefer geht.
Mit einer Art, in der Welt zu sein, die nicht für Lärm gebaut ist.

Das ist kein Fehler.
Das ist ein Merkmal.

Und seit ich das weiß, passiert etwas Leises, großes:

Ich höre auf, mich zu verstellen.
Ich nehme mir Pausen, bevor ich zusammenbreche.
Ich sage Nein, bevor ich mich verliere.
Ich bleibe bei mir, auch wenn andere das nicht verstehen.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl.
Dieses „Ich funktioniere irgendwie anders, aber ich weiß nicht, wie ich das erklären soll.“

Hier musst du es nicht erklären.

Du bist nicht falsch.
Du bist anders richtig.

Wenn sich das hier vertraut anfühlt:
Bleib.
Wir gehen diesen Weg gemeinsam.
Leise. Aber echt.


Bleib bei dir.
Davis