Keine Kinder – Und die Frage, die nie aufhört: Warum nicht?

Wenn dein Lebensmodell eine Rechtfertigung verlangt

Keine Kinder – Und die Frage, die nie aufhört: Warum nicht?

“Und? Habt ihr Kinder?”
“Nein.”

Pause.

“Warum nicht?”

Diese Frage. Du kennst sie. Sie kommt beim ersten Kennenlernen. Beim Smalltalk auf der Familienfeier. Beim Kollegen, der gerade Vater geworden ist. Bei der Nachbarin im Fahrstuhl.

Sie kommt immer. Und sie hört nie auf.

Was die Frage bedeutet

Die Frage klingt neutral. Wie eine einfache Information, die noch fehlt. Aber sie ist nicht neutral.

Sie bedeutet:
Erkläre dich. Rechtfertige deine Entscheidung. Oder deine Situation. Oder was auch immer dazu geführt hat, dass du keine Kinder hast.
Sie bedeutet:
Du weichst von der Norm ab. Und Abweichung verlangt eine Begründung.

Niemand fragt:
“Habt ihr Kinder?
Warum denn?”


Menschen mit Kindern müssen sich nicht erklären. Das ist der Standard. Das ist das, was erwartet wird.

Nur die Abwesenheit verlangt eine Erklärung.

Die vielen Gründe

Manche haben sich bewusst dagegen entschieden. Sie wollten nie Kinder.
Sie haben ein Leben gewählt, das ohne Kinder stimmig ist.

Manche wollten Kinder, aber es hat nicht geklappt.
Aus medizinischen Gründen.
Oder weil der richtige Partner fehlte.
Oder weil die Zeit vorbeiging, ohne dass es passierte.

Manche wissen es selbst nicht genau. Es hat sich einfach nicht ergeben. Es war nie der richtige Moment. Oder sie waren nie sicher genug. Oder das Leben ging in eine andere Richtung.

Aber egal, welcher Grund es ist: Die Frage ist die gleiche. Und sie fühlt sich immer an wie eine Anklage.

Und du?

Du hast verschiedene Antworten entwickelt. Je nachdem, wer fragt. Je nachdem, wie viel Energie du hast.

Manchmal sagst du die Wahrheit.
“Wir wollten keine.”
Oder: “Es hat nicht geklappt.”
Oder: “Es hat sich nicht ergeben.”

Manchmal sagst du etwas Vages.
“Wir sind so zufrieden, wie es ist.”
Oder: “Das Leben hatte andere Pläne.”

Manchmal lügst du.
“Vielleicht später.”
Auch wenn du weißt, dass später nicht kommt.

Und manchmal sagst du einfach: “Warum fragst du?”
Und siehst, wie sie zurückweichen.
Weil die Frage unhöflich ist. Aber nur, wenn man sie zurückgibt.

Die Erschöpfung

Es ist nicht die Frage selbst, die erschöpft. Es ist die Häufigkeit. Es ist die Selbstverständlichkeit, mit der sie gestellt wird. Es ist die Tatsache, dass du dich immer wieder erklären musst.

Für eine Entscheidung, die niemanden etwas angeht. Oder für eine Situation, über die du keine Kontrolle hattest. Oder für ein Leben, das einfach so ist, wie es ist.

Manche Menschen verstehen es nicht. Sie hören deine Antwort und sagen dann: „Aber du würdest so eine gute Mutter sein.”
Oder: „Kinder sind das Schönste im Leben.”
Oder: „Du weißt nicht, was dir entgeht.”

Als könntest du das nicht selbst beurteilen. Als bräuchtest du ihre Perspektive, um zu verstehen, was du verpasst.

Was niemand sagt

Dass ein Leben ohne Kinder nicht weniger wert ist. Dass es nicht weniger erfüllt ist. Dass es nicht weniger vollständig ist.

Dass Kinderlosigkeit viele Gesichter hat. Dass sie manchmal gewählt ist. Manchmal ungewollt. Manchmal beides. Manchmal keins von beidem.

Dass die Frage “Warum nicht?” impliziert, dass etwas fehlt.
Dass etwas falsch ist.
Dass du dich rechtfertigen musst.

Aber du musst dich nicht rechtfertigen.

Dein Leben ist dein Leben. Mit Kindern oder ohne. Gewählt oder nicht gewählt. So wie es ist.

Was bleibt

Die Frage wird nicht aufhören. Menschen werden weiter fragen. Weil Kinderlosigkeit für viele unverständlich ist. Weil sie nicht ins Schema passt.

Du kannst entscheiden, wie du damit umgehst. Du kannst ehrlich antworten. Du kannst vage bleiben. Du kannst die Frage zurückgeben.

Oder du kannst akzeptieren: Diese Frage sagt mehr über die anderen aus als über dich.

Sie sagt, dass sie nur ein Lebensmodell kennen. Dass sie Abweichung als erklärungsbedürftig sehen. Dass sie nicht verstehen, dass es viele Wege gibt zu leben.

Du bist nicht falsch, weil du keine Kinder hast.
Dein Leben ist nicht unvollständig.
Es ist nur anders.

Und anders ist nicht falsch. Anders ist einfach anders.


Bleib bei dir
Davis


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