Nicht für die Frauen. Für die Grenze
"Frau" klingt nach einem einfachen Begriff.
Er ist es nicht. Er ist ein Maßstab.
Und wie jeder Maßstab hat er zwei Seiten: die, die reinpassen, und die, die nicht reinpassen.
Die Frage ist in meinen Augen, nicht, wer passt rein.
Die interessante Frage ist doch: Wer entscheidet das?
Und warum ist das überhaupt eine Entscheidung, die jemand treffen muss?
Was ist das eigentlich?
"Frau" ist kein neutraler Begriff. Er ist ein Maßstab mit Geschichte.
Und dieser Maßstab wurde immer dann laut verteidigt, wenn jemand nicht hineinpasste.
Frauen, die Hosen trugen.
Frauen, die nicht heirateten.
Frauen, die arbeiteten.
Frauen, die wählten.
Jedes Mal hieß es: Das bedroht die Kategorie. Das bedroht die Frauen.
Der Maßstab wurde verteidigt. Nicht die Menschen.
Das ist keine Geschichte. Das ist die Mechanik.
Und sie läuft heute noch.
Die Mechanik dahinter
Ein Maßstab braucht eine Grenze. Ohne Grenze kein Maßstab.
Die Grenze "Wer ist Frau?" wird nicht von Frauen als Gruppe verteidigt.
Sie wird von Menschen verteidigt, die ein Interesse daran haben, dass die Grenze scharf bleibt.
Manchmal religiös verkleidet. Manchmal biologisch. Manchmal, und das ist der interessante Fall , als Feminismus.
Die Logik lautet dann: Wir schützen Frauen. Den Raum. Die Kategorie.
Das klingt nach Schutz.
Aber: Es ist, in meinen Augen, Ausgrenzung mit gutem Gewissen.
Die Coaching-Industrie kennt dieselbe Logik.
Sie sagt: Wir helfen dir, besser zu werden.
Was sie verschweigt: Besser bedeutet angepasster. Wer nicht passt, hat Pech.
Das Frauenbild-System sagt: Wir schützen Frauen.
Doch, Schutz kann ebenfalls bedeuten: Kontrolle darüber, wer als Frau gilt.
Ein Maßstab, der sich als Schutz verkleidet, ist immer noch ein Maßstab.
Wer profitiert?
Transfrauen sind eine sehr kleine Gruppe. Ihre tatsächliche Präsenz in Frauenräumen ist statistisch kaum messbar.
Aber die Debatte ist riesig.
Warum?
Weil es nicht um Transfrauen geht. Es geht um den Maßstab selbst.
Wer den Maßstab definiert, hat Macht.
Wer sagen darf, wer gilt und wer nicht gilt, hat Macht.
Medien profitieren.
Empörung ist Reichweite.
Politische Bewegungen profitieren.
Ein klares Feindbild mobilisiert.
Selbstvermarktungsprojekte profitieren.
Wer sich als Verteidiger einer bedrohten Kategorie positioniert, bekommt Plattform.
Transfrauen zahlen den Preis.
Aber sie sind nicht der Grund. Sie sind der Anlass.
Der Grund ist immer Macht.
Die Macht, den Maßstab zu halten.
Was kostet es?
Es kostet Menschen ihre Sicherheit. Ihren Alltag. Den Schlaf.
Es kostet eine Gruppe, die ohnehin unter hohem Druck steht, noch mehr Druck.
Und es kostet die feministische Bewegung ihre Glaubwürdigkeit.
Denn eine Logik, die eine marginalisierte Gruppe gegen eine andere ausspielt, ist keine feministische Logik.
Es ist dieselbe Ausschluss-Mechanik, gegen die Feminismus ursprünglich angetreten ist.
Nur mit anderem Vorzeichen.
Was wirklich passiert
Wenn eine Debatte sehr laut wird – unverhältnismäßig laut –, lohnt es sich zu fragen: Was soll hier nicht gehört werden?
Die Debatte um den Begriff "Frau" ist laut.
Sehr laut.
Laut genug, um zu übertönen, dass Trans-Menschen in Deutschland täglich Diskriminierung, Gewalt und Ausgrenzung erfahren.
Laut genug, um zu übertönen, dass der Maßstab "Frau" schon immer Menschen ausgegrenzt hat. Lange bevor Trans-Sichtbarkeit ein Thema war.
Laut genug, um die eigentliche Frage zu übertönen:
Wem nützt diese Lautstärke?
Nicht den Trans-Menschen. Nicht den Frauen.
Dem Maßstab.
Abschluss
Der Maßstab "Frau" wird gerade sehr laut verteidigt.
Laut genug, dass die Frage untergeht:
Von wem? Und wofür?
Nicht für unsere Frauen.
Für die Grenze.
Und Grenzen, die laut verteidigt werden, dienen fast immer denen, die Macht über sie haben.
Das ist kein Frauenproblem. Das ist ein Maßstabsproblem.
Anders richtig. Punkt.
Davis
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